Lawrence Weiner



Lawrence Weiner


*1942 in New York, lebt und arbeitet in New York und Amsterdam

Galerien:
Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf
Gagosian Gallery, Beverly Hills/London/New York/Rome
Marian Goodman Gallery, New York/Paris
Lisson Gallery, London



„In der Kunst geht es um materielle Objekte“, sagte Lawrence Weiner einmal in einem Interview 1989. Eine interessante Behauptung für einen Künstler, der seit den späten 1960er Jahren meist mit Sprache gearbeitet hat und der als einer der führenden Vertreter der Konzeptkunst gilt. In Weiners Fall werden materielle Objekte verkörpert von allgemein gebräuchlichen Haupt- und Nebenwörtern und direkten Beschreibungen ohne Schnörkel oder irgendeine Spur von Subjektivität (A WALL BUILT TO FACE THE LAND & THE WATER AT THE LEVEL OF THE SEA, 2009) oder auch durch ebenso direkte Aktionen (ONE QUART EXTERIOR GREEN INDUSTRIAL ENAMEL THROWN ON A BRICK WALL, 1968.) Indem sie Sprache an die Stelle physischer Objekte, Materialien und Prozeduren setzen, sind Weiners Arbeiten auf herausfordernde und radikale Weise offen, obwohl sie auf empirische Fakten verweisen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass jeder einzelne Betrachter der Ausstellung „Carnival Within“ sein eigenes gedankliches Bild von Weiners BALLS OF WOOD/BALLS OF IRON (1995) konstruiert. Sein Werk A PURSUIT OF HAPPINESS ASAP (2006), das sich auf einen berühmten Satz der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung bezieht, erlaubt ein Maximum an interpretativer Freiheit, eingeschlossen die Frage, was denn Glück sei und wie man es erreicht. Mit ihrer reduzierten, aber lebendigen Farbigkeit und der genau durchdachten Positionierung der einzelnen Worte auf der Wand lassen beide Arbeiten an den Überfluss und die verlockende Dynamik von Zirkuspostern und Anzeigen denken.

Begonnen hat Lawrence Weiner mit einem knappen, provokanten und oft zitierten Manifest über die Natur von Kunstwerken, ihre Eigentümerschaft und die Modi ihrer Umsetzung (1. THE ARTIST MAY CONSTRUCT THE WORK 2. THE WORK MAY BE FABRICATED 3. THE WORK NEED NOT BE BUILT). Er beschritt dabei unzählige Wege, seine Kunst zu präsentieren: als Wandarbeiten, die verschiedene Materialien wie Malerei oder Vinyl-Beschriftung benutzten, neben Postern, Büchern, Zeichnungen, Filmen, Schablonen auf Gebäudefassaden und vielen anderen Formen. Während Weiner vor allem als ein Pionier der Konzeptkunst gilt, sei hier betont, dass seine Arbeiten eine ausgesprochene und erstaunlich vorausschauende Visualität besitzen. Weiner arbeitet seit den 1960er Jahren mit der grafischen Präsentation von Wörtern, sehr wahrscheinlich nahm er damit nicht nur unsere zeitgemäße Orientierung in Bezug auf Wort und Text als Ganzes vorweg, sondern beeinflusste möglicherweise auch die Gestaltung von Werbung, Magazin-Layouts, Computerarbeitsflächen und Webseiten.

 


Ausstellungen | Bibliografie


Ausstellungen:
2007–2009 „Lawrence Weiner: AS FAR AS THE EYE CAN SEE“, Whitney Museum of American Art, New York; The Museum of Contemporary Art, Los Angeles/CA; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21, Düsseldorf
2008/09 „,Ich kann mir nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden‘. Dekonstruktionen des Künstlermythos“, Staatlichen Museen zu Berlin, Hamburger Bahnhof, Berlin
2008 „That Was Then... This Is Now“, P.S.1 MoMA; Long Island/NY

Bibliografie:
Lawrence Weiner: AS FAR AS THE EYE CAN SEE 1960–2007, Texte von Donna De Salvo, Liam Gillick, Ann Goldstein, Edward Leffingwell, Dieter Schwarz und  Gregor Stemmrich, Aust.-Kat. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21, Düsseldorf 2008
Benjamin Buchloh und Lawrence Weiner. In: pressPLAY: contemporary artists in conversation, London 2005
Gefragt und Gesagt: Schriften & Interviews von Lawrence Weiner 1968–2003, hg. von Gerti Fietzek und Gregor Stemmrich, Ostfildern-Ruit 2004