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Nadine Robinson

Kim Rosenfield

Nadine Robinson

Nadine Robinson, Wormwood, 2005, Aluminum, Glühbirnen, Plastik, 240 x 240 x 60 cm, Courtesy of the artist and Grand Arts, Kansas City



Nadine Robinson


*1968 in London, lebt und arbeitet in New York











In der Offenbarung des Johannes, dem einzigen prophetischen Buch des Neuen Testaments, ist Wormwood der Name des „großen Sterns“, der vom Himmel auf die Erde fällt, den „dritten Teil der Gewässer“ vergiftet und viele Menschen tötet. Nadine Robinsons Wormwood (2005), ein großer, siebenzackiger Stern mit über 500 strahlenden Glühlampen, spielt auf diese düstere Prophezeiung an, gleichzeitig aber verknüpft er leidenschaftliche Religiosität und apokalyptischen Terror mit einem Unterhaltungsanspruch, der sehr wohl auf den Effekt zielt, sowie mit augenfälliger Reklame, denn der Stern erinnert nicht zufällig an glitzernde elektrische Schilder in einem Vergnügungspark oder an einem Kasino in Las Vegas. Robinsons einerseits faszinierende, andererseits beängstigende Leuchtskulptur erzeugt intensives Licht und Hitze und damit eine überwältigende Präsenz. Der Bezug auf eine in der Bibel vorhergesagte epische Katastrophe stellt aber auch die Verbindung zu aktuellen Krisen her: die Verschwendung von Ressourcen in unserer Wegwerfgesellschaft, erbitterte Kriege, der drohende Kollaps des internationalen Finanzsystems, die Erderwärmung, der zunehmende ökologische Niedergang in vielen Teilen der Welt und das gewaltige Desaster des Hurrikans Katrina, der so viel von New Orleans zerstört hat.

Robinson, die vor allem mit Licht und Klang arbeitet, ist bekannt für visuell (und akustisch) eindringliche Werke, die vielschichtige kulturelle Informationen enthalten und oft in einem religiösen Bedeutungszusammenhang stehen. In alles grau in grau malen (2005) sind in eine drei Meter hohe und 14 Meter breite Wandkonstruktion mehrere hundert Lautsprecher eingelassen, aus denen katholische Grabgesänge, Rastafarimusik und Ausschnitte von Filmmusiken apokalyptischer Streifen wie Rosemary’s Baby (1968) und The Matrix (1999) dringen. Das Arrangement der Lautsprecher basiert auf der symbolischen Anordnung der Figuren in Michelangelos Deckenfresko Das letzte Gericht (1536–1541) in der Sixtinischen Kapelle, erinnert aber zugleich an die in den 1980er Jahren üblichen Ghettoblaster. Die Installation als Ganzes speist sich aus vielen Quellen und erzeugt eine akustische Melange von Weltuntergangsszenarien.
Robinson’s Tri-Christus (2008), kürzlich auf der SITE Santa Fe in New Mexico gezeigt, besteht aus drei blendenden Stahl- und Lichtkonstruktionen auf dem Dach des Museums, die entweder Kreuze oder X-e sein können: Das zentrale christliche Symbol, Grabmal-Gedenktafeln, der Film xXx – Triple X von 2002, der mit einem Anschlag zur Vernichtung der Welt zu tun hat, nicht-jugendfreie (x-rated) pornografische Filme, Logos einiger Biermarken und diverse Beispiele minimalistischer Skulpturen werden hier zitiert. Zusammengefasst heißt das: Nadine Robinsons außergewöhnliche Skulpturen greifen die christliche Ikonografie auf und beschwören apokalyptische Visionen, tauchen aber zugleich tief in die profane Welt von Tanzmusik, Hollywood-Filmen, Leuchtreklamen in Vergnügungsparks, elektrischen Werbeschildern und pulsierenden Straßenfesten.

 


Ausstellungen | Bibliografie


Ausstellungen:
2008/09 „Prospect .1“, US-Biennale für zeitgenössische Kunst, New Orleans/LA
2008 „Lucky Number Seven. SITE Santa Fe“, 7. Internationale Biennale, Santa Fe/NM
2007 „The Colored Congregation“, Vienna Art Week, Wien
2006 „Nadine Robinson. Alles Grau“, Studio Museum Harlem, New York

Bibliografie:
Holland Cotter, „Nadine Robinson. Alles Grau“. In: The New York Times, 8. September 2006
Paul Laster, „Nadine Robinson at Caren Golden“. In: Art in America, Januar 2004