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Peggy Preheim

Peggy Preheim

Peggy Preheim, Point Blank, 2008, Bleistift auf Papier, 55,9 x 76,8 cm (ungerahmt), Courtesy of the artist and Tanya Bonakdar Gallery, New York



Peggy Preheim


*1963 in Yankton/SD, lebt und arbeitet in New York

Galerien:
Tanya Bonakdar Gallery, New York








In einem Land, das bekannt ist für seine groß angelegten Pläne und Unternehmungen und seine übermäßigen Bemühungen um Format, ist Peggy Preheim eine brillante, gegen den Strich agierende Miniaturistin im Bereich der Zeichnung, Skulptur und Fotografie. Ihre subtilen Grafitzeichnungen sind besonders kompakt, einige messen gerade einmal 2,5 x 2,5 cm. Die meisten dieser Arbeiten sind exakte Kopien von gefundenen Fotografien anonymer Personen, oft Frauen und Kinder, aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Preheims Projekt könnte leicht mit der weltweiten Tendenz hektischer Informationsverarbeitung und sinnfreier Metaphorik in Verbindung gebracht werden, losgelöst vom Kontext und jedweder erkennbaren Bedeutung. Tatsächlich aber ist es exakt das Gegenteil: Ihre Arbeiten sind tiefgründig und sinnträchtig, und ihre Umsetzungen von altem Material haben den Anschein von Aktualität und Frische; sie beschäftigen sich nicht mit entfernter Vergangenheit, sondern mit komplizierten menschlichen Angelegenheiten im Hier und Jetzt.

Im Diptychon Little Princess (2008) entpuppt sich das, was aus der Distanz wie ein Fleck oder Pünktchen aussieht, als die Zeichnung einer schlaffen amerikanischen Flagge an einem Fahnenmast. Dieses Symbol mächtiger nationaler Identität scheint plötzlich fragil und gefährdet zu sein, geradezu erdrückt vom Weiß des Papiers, das es umgibt und das vergleichsweise riesig wirkt. Bereits der russische Kritiker Michail Bachtin betonte, dass ein wichtiger Aspekt der Karnevalisierung das Aufbauschen, Parodieren und Sinnentstellen ansonsten verehrter politischer und religiöser Symbole ist – nicht um sich über sie lustig zu machen, sondern um sich zeitweilig ihrer Herrschaft zu entledigen und sich ihnen auf neue und ungezwungene Weise nähern zu können. Im zweiten Teil des Diptychons blickt eine nachdenkliche Frau von etwa 1910 in weißer Pumphose und Melonenhut die Flagge an – im Gesichtsausdruck eine Mischung aus Traurigkeit, schwankender Zuversicht, Zärtlichkeit und Besorgnis. Preheim greift tief in die Vergangenheit, um in hintergründigen Bildern eine turbulente Gegenwart zu beleuchten – eine Zeit voller Probleme, angeschlagener Ideale und wiedererwachter Hoffnungen.

 


Ausstellungen | Bibliografie


Ausstellungen:
2008–2010 „Peggy Preheim: Little Black Book“, The Aldrich Contemporary Art Museum, Ridgefield/CT; Philbrook Museum of Art, Tulsa/OK; Herbert F. Johnson Museum of Art, Cornell University, Ithaca/NY
2008 „Don’t Look Now“, Tanya Bonakdar Gallery, New York
2007 „New Directions in American Drawing“, The Columbus Museum, Columbus/GA; Telfair Museum, Savanna/GA 2007; Knoxville Museum of Art, Knoxville/TN 2007–2008

Bibliografie:
Peggy Preheim, Texte von Carter Foster, Gregory Volk und Harry Philbrick, Ausst.-Kat. The Aldrich Contemporary Art Museum, Ridgefield/CT 2008 
Ken Johnson, „Contemplating Childlike Wonder, Long Past Childhood“. In: The New York Times, 2. September 2005
Anastasia Aukeman, „Peggy Preheim at Tony Bonakdar“. In: Art in America, Oktober 2001