Joyce Pensato

Vanessa Place

William Pope.L

Peggy Preheim

William Pope.L

William Pope.L, The Great White Way, 22 miles, 9 years, 1 street, 2005, Broadway, New York, Videostill, Kamera: Pruznick/Grey



William Pope.L


*1955 in Newark/NJ, lebt und arbeitet in Lewiston/ME

www.theblackfactory.com
www.distributingmartin.com

Galerien:
The Project – Los Angeles/New York
Kenny Schachter Rove, London
Catherine Bastide, Brüssel


In seinem exzentrischen, bahnbrechenden Werk hat William Pope.L immer wieder absichtsvolle Possen und karnevaleskes Spektakel benutzt und transformiert – seien es Sideshows, Freak Shows, ihre verführerische Symbolik, Kostüme, Masken und fabelhaften Kunststücke der Tollkühnheit. Für The Great White Way, eine seiner waghalsigen und provokativen Straßen-Performances, die er über die Jahre entwickelt hat, kroch Pope.L fünf Jahre lang mit Unterbrechungen den Broadway in New York hinauf, mit einem Superman-Kostüm bekleidet und einem Skateboard auf den Rücken geschnallt. Das Video dieser Aktion zeigt ihn als schrullige, lachhafte Figur, die zugleich echtes Leiden, Ausdauer und Widerstand zum Ausdruck bringt. Er konfrontiert uns auf diese Weise mit einer Reihe von Annahmen und Machtbeziehungen, die in der Diskussion über Rasse immer wieder unterstellt werden, und verkehrt sie in ihr Gegenteil: Ein schwarzer Mann im Superheldenkostüm (ansonsten getragen von einer Phantasiefigur, die in der kollektiven Vorstellung der mächtigste „weiße“ Mann der Welt ist) bewegt  sich zentimeterweise auf einer berühmten Straße von New York voran, die nicht zufällig „The Great White Way“ genannt wird. Zur Installation dieses Titels von Pope.L gehören nicht nur das Video, sondern auch ein „Brunnen“, nämlich ein Wasserglas auf einem hohen Regal; darüber hinaus offenbaren die vorsichtig abgestimmten Sichtlinien und die genau festgelegten Dimensionen den Einfallsreichtum und die formale Präzision, mit denen der Künstler seine Arbeiten plant.

William Pope.Ls Video Installation ist wunderbar vielschichtig, auch in Bezug auf seine eigene Position als Performer: Voller Energie und Courage unternimmt er als komischer Kauz eine private Reise im öffentlichen Raum – im Bewusstsein seiner Verwundbarkeit und Isolation, dem Spott und der Gefahr preisgegeben. Das Bemerkenswerte ist, wie unerschrocken Pope.Ls Arbeiten mit dem Thema Rasse umgehen und gleichzeitig vor fröhlicher Absurdität und reichen Humanität strotzen. Sie beschwören Hoffnung und Schwäche, die Verbindung mit und die Fremdheit vor dem Anderen, die Einsamkeit und das konfliktbeladene öffentliche Sein. Mit seinen werkübergreifenden Performances, Skulpturen, Videos und Zeichnungen ist William Pope.L ein Exzentriker, der unverblümt zur Sache kommt, und dabei höchstwahrscheinlich einer der bedeutendsten amerikanischen Künstler der letzten Jahrzehnte ist.

 


Ausstellungen | Bibliografie


Ausstellungen:
2009 „Slightly Unbalanced“, Paul and Lulu Hilliard University Art Museum, Lafayette/IN
2008 „Snow Crawl“, Sammlung Falkenberg, Hamburg
2007 „Drawing, Dreaming, Drowning“, The Art Institute of Chicago, Chicago/IL
2007 „Art After White People: Time, Trees, & Celluloid...“, Santa Monica Museum of Art, Santa Monica/CA

Bibliografie:
Intersection (ChainLinks), hg. von Nicole Mauro und Marci Nelligan, Texte von Jane Jacobs, Claire Potter, William Pope.L, Mitchell Duneier und Melissa Ngo, 2008
Darby English, How to See a Work of Art in Total Darkness, Cambridge/MA 2007  William Pope.L: The Friendliest Black Artist in America, hg. von Mark H. C. Bessire, Cambridge/MA 2002