Karyn Olivier

Karyn Olivier

Karyn Olivier, It’s not over til it’s over, 2004, Installation im Socrates Sculpture Park, Long Island City, New York



Karyn Olivier


*1968 in Port of Spain/Trinidad, lebt und arbeitet in Brooklyn/NY

Galerie:
Dunn and Brown Contemporary, Dallas



Viele von Karyn Oliviers Skulpturen erinnern an alltägliche und vertraute Objekte wie Gymnastikgeräte oder Klettergerüste auf Spielplätzen. Diese banalen Objekte erscheinen jedoch verändert und mit metaphorischer Bedeutung aufgeladen. Oliviers Seesaw (2005) zum Beispiel ist eine radikal verlängerte, 40 Fuß lange metallene Wippe. Das englische Wort seesaw beschreibt übrigens genau, was auf einer Wippe geschieht: ich sehe/sah, bin/war im Blickfeld. Seesaw ist eine imposante Skulptur und zugleich ein funktionales Spielplatzgerät, das – mit der typischen Mischung aus Zögern und Leichtsinn, Unbeholfenheit und Anmut – von zwei Personen benutzt werden kann. Weil diese skulpturale Wippe so lang ist, erscheint der „Spielgefährte“ allerdings in großer Entfernung, das heißt, Nähe und Entfremdung, Zusammensein und totale Einsamkeit fließen ineinander. Wie auch in anderen ihrer Arbeiten betritt Olivier die kindliche Arena des Spiels und Spaßes, um als Erwachsene anziehende und abstoßende Energien in zwischenmenschlichen Beziehungen zu hinterfragen.

Für „Carnival Within“ ist ein funktionstüchtiges Karussell samt leuchtend-blauem Zeltdach und rot und gelb gestrichener Zierleiste entstanden. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Karussellen besitzt dieses jedoch weder paradierende Pferde, noch Löwen, noch verzierte Bänke oder Orgelmusik. Stattdessen ist es mit einem einzigen schlichten Stuhl ausgestattet, und man kann entweder sitzen oder stehen, während man sich quälend langsam im Kreise dreht. Oliviers aufs Nötigste reduziertes, etwas kümmerlich wirkendes Karussell mit dem Titel It’s not over til it’s over (Es ist nicht vorbei bis es vorbei ist) thematisiert Traurigkeit und Verlust ebenso wie Fragen von Rassendiskriminierung und ökonomischer Entbehrung. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass Oliviers Skulpturen, die sich auf solche Freizeitanlagen beziehen, oft Fotografien von verwahrlosten und isolierten Spielplätzen für schwarze Kinder zur Grundlage haben. Dieses eigentümliche Karussell ist aber auch ein reizvolles, widerspenstigen Zauber, Verwunderung und Feierlaune behauptendes Instrument von Lebenskraft und Erneuerung. Karyn Olivier kommt ursprünglich aus Trinidad, und ihre tiefe Affinität zu den jährlichen Karneval-Feierlichkeiten dort ist eine wichtige Quelle für ihre komplexe Arbeit, die sich mit Exzess, Übertreibung, sozialer Skulptur und Aspekten von Performance beschäftigt.


 


Ausstellungen | Bibliografie


Ausstellungen:
2009 „Billboard Project (59 South)“, Houston/TX
2008 „In the public Realm“, Public Art Fund, New York
2007 „A Closer Look“, Laumeier Sculpture Park, St. Louis/MO
2007 „Black Light/White Noise“, Contemporary Arts Museum Houston, Houston/TX

Bibliografie:
Eleanor El Heartney, „Gwangju Biennale“, in: Art in America, Dezember 2008
Phillip Tinari, „ Gwangju Biennale“, in: Artforum, Januar 2008
Whitney Museum of American Art at Altria: 25 years, hg. von Adam Weinberg und Shamin M. Mamin, London 2008 
Black Light/White Noise. Sound and Light in Contemporary Art, Texte von Greg Tate, Romi Crawford und Valerie Cassel Oliver, Ausst.-Kat. Contemporary Arts Museum Houston, Houston/TX 2007