Yvette Mattern

David Murray

Yvette Mattern

Yvette Mattern, Mulatta, 2007



Yvette Mattern


* 1963 in San Juan/Puerto Rico, lebt und arbeitet in Berlin







Yvette Matterns Leuchtschrift-Installation Mulatta (2007) suggeriert mit ihren vielen blinkenden Lichtern die grelle, aufregende Atmosphäre von Vergnügungsparks, Straßenfestivals, Theaterbeschilderungen am Broadway der 1930er und 1940er Jahre und von kitschigem Promenadenzauber. In Verbindung mit dem eigens dafür komponierten Soundtrack des Jazzmusikers und Komponisten Don Byron erinnert die Installation außerdem an ein vergangenes Milieu – das der Tanzlokale der Puerto Ricaner in den 1950er Jahren in New York und andernorts. Dieses Milieu wiederum war die Inspiration für das berühmte Broadway-Musical (und später den Film) West Side Story von 1957. West Side Story erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen zwei Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, die auf tragische Weise mit den rassischen und ethnischen Konflikten zweier Jugendbanden verwoben ist. Matterns Titel „Mulatta“ bezieht sich auf eine Frau sowohl schwarzer wie weißer Abstammung, und obwohl keine Erläuterung gegeben wird, ruft der illuminierte Begriff althergebrachte Klischeevorstellungen wach: außerordentliche Sinnlichkeit, gefährliche Schönheit, Exotik, emotionaler Aufruhr, verbunden mit der Unmöglichkeit einer „normalen“ Rassenzuordnung, elterliche Ablehnung und soziale Ausgrenzung, um nur einige zu nennen.

Mit seinen glitzernden Lichtern und der ansprechenden Musik ist Matterns Installation durchaus reizvoll und gefällig. Das unverblümt und isoliert in den Raum gestellte Wort lädt sie jedoch mit Konflikt auf, mit einem unerfreulichen Thema in einer Welt, die noch immer enorme Probleme im Umgang mit denen hat, die nicht in klare und identifizierbare rassische Kategorien passen. Mattern selbst stammt aus einer Mischehe und ist mit einer ambivalenten rassischen und kulturellen Identität in Puerto Rico aufgewachsen. Insofern haben ihre eigenen Erfahrungen sehr wahrscheinlich Mulatta beeinflusst, doch die Bedeutung der Arbeit reicht weit über die autobiografischen Bezüge hinaus: Es geht eher um eine Neubewertung dessen, was dieses oft herabsetzende Wort wirklich bedeutet und was es hervorruft. Gerade heute, da der neue Präsident der Vereinigten Staaten selbst von gemischter Herkunft ist, mit einem afrikanischen Vater aus Kenia und einer weißen amerikanischen Mutter aus Kansas, erscheint Matterns Arbeit ganz besonders zeitgemäß.

Inzwischen in Berlin ansässig, ist Mattern auch eine erfolgreiche Video-Künstlerin und Video-Designerin, die für Avantgarde-Aufführungen in Oper und Theater arbeitet. Unter anderem entwickelte sie die Videobühne für eine Produktion von Wolfgang Rihms Oper Jakob Lenz an der Nationaloper in Riga, Lettland.

 


Ausstellungen | Bibliografie


Ausstellungen:
2008 „Remixed and Reloaded. Black Women Artist and the Moving Image
since 1970“, Spelman College Museum of Fine Art, Atlanta/GA; Contemporary Arts Museum Houston, Houston/TX
2007 „Black Light/White Noise. Sound and Light in Contemporary Art“, Contemporary Arts Museum Houston, Houston/TX
2007 „Equatorial Rhythms“, Sternersen Museum, Oslo

Bibliografie:
„The Global Rainbow over New York“, in: FlashArt online.com, 19. Januar 2009
Cinema Remixed & Reloaded. Black Women Artists and the Moving Image since 1970, Texte von Andrea Barnwell Brownlee, Valerie Cassel Oliver u.a., Ausst.-Kat. Spelman College Museum of Fine Art, Atlanta/GA 2008
Black Light/White Noise. Sound and Light in Contemporary Art, Texte von Greg Tate, Romi Crawford und Valerie Cassel Oliver, Ausst.-Kat. Contemporary Arts Museum Houston, Houston/TX 2007
Equatorial Rhythms, Ausst.-Kat. Sternersen Museum, Oslo 2007