Nina Katchadourian

Carla Kihlstedt

Nina Katchadourian

Nina Katchadourian, GRNAD OPENING, 2006, Courtesy of the artist and Catharine Clark Gallery, San Francisco



Nina Katchadourian


*1968 in Stanford/CA, lebt und arbeitet in Brooklyn/NY

www.ninakatchadourian.com

Galerien:
Sara Meltzer Gallery, New York
Catherine Clark Gallery, San Francisco/CA


Nina Katchadourians intelligente Untersuchungen über unser Verhältnis zu unserer extrem medienbestimmten und -vermittelten Umwelt offenbaren oft eine exzentrische (und manchmal verrückte) Note, welche sie umso einprägsamer macht. Katchadourian flickte zerrissene Spinnweben mit Nadel und Faden, sortierte tausende Autos auf dem riesigen Parkplatz eines südkalifornischen College nach ihrer Farbe (alle roten Autos an einen Platz, weiße an einen anderen, blaue an den nächsten und so weiter) und installierte in New Yorker Autos Alarmanlagen mit dem Klang von Dschungelvögeln. Katchadourian ist ein Original mit einer Sensibilität, die zugleich voller Humor und Tiefgründigkeit steckt. Ihr unkonventionelles konzeptuelles Werk umfasst Skulpturen, Fotografie, Klangarbeiten, Videos und andere Medien.

Vor einigen Jahren entdeckte Katchadourian in ihrem Viertel in Brooklyn ein großes Banner, das die Neueröffnung eines lokalen Lebensmittelladens ankündigte, allerdings falsch buchstabiert: nicht „Grand Opening“ sondern „Grnad Opening“. Ihre Fotografie dieses bedauerlichen, aber komischen Rechtschreibfehlers und die Rekonstruktion des Original-Banners sind zum einen die schlichte Dokumentation eines sprachlichen Missgeschicks. Zum anderen haben diese zwei humorvollen Arbeiten eine subtile Komplexität. Wahrscheinlich sind oder waren die Besitzer des Geschäfts Ausländer mit vielleicht nicht den besten Englischkenntnissen, so dass sie den Fehler nicht einmal bemerkt hatten. GRNAD OPENING (so der Titel sowohl der Fotografie als auch des Banners) hat also mit sozialen Belangen zu tun – mit Einwanderung und der Herausforderung, sich als Einwanderer an eine dominante neue Sprache anzupassen, und damit, wie große Träume im sogenannten „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ manchmal scheitern.
Utopismus und Optimismus, gefolgt von Irrtümern, Enttäuschung und unvorhergesehenen Schwierigkeiten, sind wiederkehrende Motive in Amerika seit der Ankunft der Puritaner im frühen 17. Jahrhundert. Jene waren unerschrocken aus Europa geflohen, um ein Neues Jerusalem in der Neuen Welt aufzubauen; sie erwarteten ein Land zu finden, in dem Milch und Honig flossen. Stattdessen fanden sie sich an der tristen, frostigen, ungastlichen, vom Wind gepeitschten Küste des heutigen Massachusetts wieder. Die trostlose Ankunft war ihr GRNAD OPENING. „Carnival Within“ zeigt Katchadourians rot-weiß-blaues Banner als eine Kreuzung aus kommerzieller Werbung und lockendem Zirkusschild, das von den endlosen Kreisläufen aus Erwartung und Irrtum erzählt.

 


Ausstellungen | Bibliografie


Ausstellungen:
2008/09 „The Marfa Sessions“, Ballroom, Marfa/TX
2008 „Cerca Series: Nina Katchadourian“, Museum of Contemporary Art, San Diego
2008 „Loop ’08. International Festival & Fair for Videoart“, Barcelona

Bibliografie:
Julian Myers, „We Interrupt Your Program“, in: Frieze, Mai 2008
Suzanne Hudson, „Nina Katchadourian. One Chase Manhattan Plaza“, in: Artforum, März 2007
Nina Katchadourian. All Forms of Attraction, Text von Frances Richard, Interview von Ian Berry, Ausst.-Kat. Tang Museum, Saratoga Springs/NY 2006