David Herbert, Beautiful Superman, 2007, Courtesy Saatchi Collection, London
David Herbert
*1977 in Seattle/WA, lebt und arbeitet in New York
www.davidherbert.com
Galerien:
Postmasters, New York
David Herbert, der seine Karriere als Videokünstler begann, bevor er zur Skulptur kam, ist ein Künstler mit außergewöhnlicher handwerklicher Intuition und Begabung im Umgang mit Materialien, der im Grunde alles aus allem machen kann, und das sehr überzeugend. Er entwirft ausgefallene, dem Anschein nach gebrechliche und labile Versionen von ikonischen historischen Objekten, Architekturen und Figuren (viele von ihnen erkennbar amerikanisch) sowie exzentrische skulpturale Versionen von berühmten Filmrequisiten. Herberts riesige Skulptur Beautiful Superman (2007) aus Holz, Styropor, Stoff und Plexiglas stellt einen Superstar der Popkultur in äußerster Bedrängnis dar. Dieser Superman ist ein Skelett, absurd, demütig, und gänzlich ohne Kraft, wie er da nur ein paar Zentimeter über dem Boden hängt. Referenzen gibt es im Überfluss: Jesus am Kreuz, an allein stehenden Bäumen baumelnde, gehenkte Männer (wie aus unzähligen Hollywood-Western bekannt) oder seltsam gekleidete Clowns mit traurigen Gesichtern in Erwartung von Missgeschick und Züchtigung. Herberts Version vom sterblichen und ausgemergelten Superman an der Schwelle zwischen Leben und Tod, in schlaffem Cape und knabenhaften Shorts, passt perfekt zu einem Amerika, das an seine Grenzen gekommen ist, eingeschränkt, voller Angst und schwindendem Vertrauen.
In Herberts Werk werden so mächtige und nachhaltige amerikanische Symbole wie das Empire State Building oder der Mississippi River-Dampfer als verwundbar bloßgestellt und der Katastrophe überantwortet. Seine Version des Empire State Building, aufwändig und akkurat nachgebaut, scheint beim näheren Hinsehen zersetzt und besudelt zu sein – wie ein einst eleganter Anzug zu Dreivierteln von Motten zerfressen oder ein verkohltes Relikt von einem Gebäude nach einem schrecklichen Feuer. Herberts Boot (die „Mark Twain“, entweder ein Oldtimer aus dem 19. Jahrhundert oder die Disneyland-Nachbildung eines solchen aus dem 20. Jahrhundert) kippt unheilvoll zur Seite, als wolle es im Fluss untergehen. Herberts Darstellungen drohender Desaster sind sowohl von großer Komik als auch visuell umwerfend, und zeichnen ihn damit als einen der interessantesten Künstler der jüngeren Generation aus. Die Skulptur Mickey (2009) verbindet auf wunderbare Weise lebenslustige Ausgelassenheit und verzweifelte Besorgnis. Mit spindeldürren Armen und Beinen, bulligen und sperrigen Füßen, überdimensionalen erhobenen Händen, die scheinbar vergeblich versuchen, einen großen Schaden abzuwehren, ist Micky ebenso wie Herberts Superman ein Ikone der Popkultur, aktualisiert für eine turbulente und bange neue Zeit.
Ausstellungen | Bibliografie
Ausstellungen:
2008 „The Shape Of Things To Come“, Saatchi Gallery, London
2007 „I (Heart) New York“, Postmasters Gallery, New York
2006 „New American Talent“, Arthouse Texas, Austin/TX
Bibliografie:
Beyond Architecture. Imaginative Buildings and Fictional Cities, hg. von Lukas Feireiss und Robert Klanten, Berlin 2009
Jaring Durst Britt, „David Herbert“, in: Freedom. American Sculpture, Auss.-Kat. The Hague Sculpture 2008, Den Haag 2008
Carrie Neiman, „In the Studio“, in: Style Weekly, 26. Oktober 2005