Spencer Finch, Himmel (Über Coney Island, 21. November 2004, 13.14 Uhr), 2004, Courtesy Galerie Nordenhake Berlin/ Stockholm
Spencer Finch
*1962 in New Haven/CT, lebt und arbeitet in New York
www.spencerfinch.com
Galerien:
Yvon Lambert, Paris
Lisson Gallery, London
Galerie Nordenhake, Berlin/Stockholm
Postmasters, New York
Den Werken von Spencer Finch ist ein Hang zum Sublimen oder Transzendenten zueigen, das als karthartisches Moment mit einer in hohem Maße vermittelten, offenkundig artifiziellen Darbietung der Natur kollidiert. Sunlight in an Empty Room (Passing Cloud for Emily Dickinson, Amherst, MA, August 28, 2004), eine von Finchs zentralen Skulpturen in seiner kürzlich gezeigten Retrospektive im MASS MoCA, besteht aus einer an der Wand befestigten Reihe von präzise kalibrierten fluoreszierenden Röhren, die für pralles Sonnenlicht stehen; sie beleuchten eine herabhängende „Wolke“ aus blauen, grauen und violetten Filtern. Finch ließ nichts unversucht, um genau jenes Sonnenlicht technisch zu reproduzieren, das er mit einem bestimmten Tag in Amherst, Massachusetts, der Heimat der Dichterin Dickinson, verband. Das Elementare dieser Arbeit beschwört gewissermaßen den grenzenlosen visuellen und geistigen Eindruck, den man zuweilen in der freien Natur – allein mit Sonne, Wolken und Himmel – erlebt: ein frei fließendes Befinden, das der Transzendental-Philosoph und Dichter Ralph Waldo Emerson einmal als einen Zustand beschrieb, in dem man zu einem „transparenten Augapfel“ wird.
Während Finch seine Augen gen Himmel richtet (Himmel, Wolken, Galaxien, Sterne und die Sonne sind zentral für seine Arbeit), steht er mit beiden Beinen fest auf dem kulturellen Boden eines Amerika des Kitschs von Ufo-Obsessionen, billigem Glitzer, künstlichem Rasen, synthetischen Frühstücksdrinks und heruntergekommenen Vergnügungsparks – alle seine neueren Arbeiten haben genau damit zu tun. Für Sky (Over Coney Island, November 21, 2004, 1:14 pm) bilden eine größere Anzahl von jeweils zwei verschieden farbigen Ballons, die ineinander gesteckt und mit Helium gefüllt sind, die exakte Farbe des Himmels über Coney Island in New York City zu einem ganz bestimmten Moment nach. Ein gewöhnliches kurzlebiges Freizeitpark-Souvenir suggeriert plötzlich unermessliche Weite: den gewaltigen Himmel, die Launen des Lichts, das Vorübergehen der Zeit. Eine weitere Arbeit in „Carnival Within“ besteht aus einer mit Filtern umhüllten Neonröhre, die an Lichtreklamen erinnert, wie sie an Bars, Motels, Kirchen und allen Casinos in Las Vegas üblich sind, die jedoch erstaunlich präzise die Nuancen des Mondlichts im ländlichen New Mexico imitiert.
Ausstellungen | Bibliografie
Ausstellungen:
2008/09 „Gravity Always Wins“, Dundee Centre for Contemporary Art, Schottland
2008 „First Sight“, Dunedin Public Art Gallery, Neuseeland
2007 „Spencer Finch. What Time Is It on the Sun“, MASS MoCA, North Adams/MA
Bibliografie:
Stephanie Cash, „The Finch Effect“, in: Art in America, Januar 2008
Mark Godfrey, „A Rainbow in Brooklyn/On Spencer Finch“, in: Parkett, Nr. 79, Juni 2007
Bridget L. Goodbody, „Trying to Capture a Trick of Light, a Tug of Memory“, in: The New York Times, 19. Juni 2007
Spencer Finch. What Time Is It on the Sun, Texte von Daniel Birnbaum,
Susan Cross, Suzanne Hudson und Joseph Thompson, Ausst.-Kat. MASS MoCA,
North Adams/MA 2007