Laura Bruce, Showdown, 2008, Courtesy of the artist and fruehsorge contemporary drawings, Berlin
Laura Bruce
*1959 in East Orange/NJ, lebt und arbeitet in Berlin
www.artnews.org/laurabruce
Galerien:
fruehsorge contemporary drawings, Berlin
Das breit gefächerte Werk von Laura Bruce offenbart eine
ausgeprägte und höchst eigenwillige Sensibilität. In komplexen und sehr
unterschiedlichen Arbeiten – zum großen Teil in den letzten 17 Jahren
ihres Aufenthalts als Amerikanerin in Berlin entstanden – hat sie das
Feld von Malerei, Skulptur, Video und zuweilen auch das der Performance
eindrucksvoll ausgelotet. Mit Intensität und Humor, grüblerischem Ernst
und offenkundigem Vergnügen nimmt sie dabei Amerikas Mittelklasse und
deren Wurzeln in der Arbeiterklasse ins Visier: die Menschen, deren
vorstädtische Eigenheime, Gärten und Rasenflächen, die typisch
amerikanischen Gemeinschaftsräume im Untergeschoss, die vollgestopften
Küchen, das Familienauto in der Auffahrt und nicht zuletzt die
allgegenwärtige Country-Musik im Radio. Mit Berlin im Rücken kehrt
Bruce gewissermaßen in ihre Heimat zurück.
In ihren gegenwärtigen Arbeiten reduziert Laura Bruce die erwähnte
Komplexität auf eine scheinbar elementare Basis – große schwarz-weiße
Grafitzeichnungen auf Papier. Diese Zeichnungen amerikanischer
Vorstadthäuser und ihrer Umgebung, mitunter auch ihrer Bewohner, sind
visuell fesselnd mit ihren vielfältigen Texturen und Farbnuancen
zwischen Schwarz und Weiß, aber auch im Kontrast von Fülle und Leere.
Nervöse Geschäftigkeit löst Momente glückseliger Gelassenheit ab und
heruntergekommene, widerspenstige Bereiche gehen in filigrane und
ätherische Zonen über. Laubwerk, riesige Bäume und weite Himmel
erscheinen oft wuchtig und dynamisch und evozieren mit ihrer
überdimensionalen Pracht jene Art von Verzauberung, Blendung und
erregendem Schauder, die eine Vergnügungsparkattraktion auszulösen
vermag. Diese seltsam unbändigen und spektakulären Vorgartenmilieus
suggerieren Momente intensiven Gegenwartsbewusstseins, Momente
möglicher Verzückung und greifbarer Läuterung; sie verleihen
Alltagsszenen im vorstädtischen New Jersey oder Atlanta einen
„Naturwunder“-Charakter, der – ob subtil oder implizit – mit der
vergeistigten Malerei der europäischen Romantik im 19. Jahrhundert, der
Hudson River Schule in Amerika und dem amerikanischen Impressionismus
verbunden ist.
Ausstellungen | Bibliografie
Ausstellungen:
2008 „The Hunt“, fruehsorge contemporary drawings, Berlin
2006 „Landowners“, Galerie Pankow, Berlin
2004 „The Wide“, Büro für Kunst, Dresden
Bibliografie:
Greory Volk, „Spektakuläre Gartenwelten“, in: Laura Bruce, Ausst.-Kat. fruehsorge contemporary drawings, Berlin 2008
Laura Bruce, Texte von Mark Gisbourne, Uta Grundmann und Jan Verwoert, Ausst.-Kat. Büro für Kunst, Dresden 2004
Thin Skin, Ausst.-Kat. Independent Curators International, New York 2002