Tracey Baran

Sanford Biggers

Hamiet Bluiett

Paul Brody

Laura Bruce

Tracey Baran

Tracey Baran, Daren and Dylan, Halloween, 2005, Courtesy of the artist and ARRATIA, BEER



Tracey Baran


1975–2008

Galerien:
Arratia, Beer, Berlin
Leslie Tonkonow Artworks + Projects, New York



Für Tracey Baran (1975-2008) war es eine kleine Stadt nördlich von New York, die während ihrer gesamten Laufbahn den Bezugsort (und ganz gewiss auch den Ausgangsort) ihrer Kreativität bildete – dazu gehörten ihre Freunde und die Mitglieder ihrer Familie, die dort leben, ihre Häuser und die sie umgebende Landschaft. Als Fotografin hatte Baran eine besondere Gabe, das suggestive, visuell satte, oft aber auch verstörende Potenzial im „sumpfigen“ häuslichen und kleinstädtischen Umfeld zu entdecken. Zwei Fotografien in „Carnival Within“ wurden bei Karambolage-Rennen aufgenommen, bei denen Fahrer ihre robusten Autos solange zusammenstoßen lassen, bis diese kurz und klein geschlagen sind; das letzte Auto, das noch funktioniert und sich bewegt, gewinnt. Crushed (2005) zeigt ein völlig verbeultes, mit Schlamm bedecktes Auto, das – zuvor aufgemotzt mit strahlenden Karnevalsfarben – stattlich zu sein versucht und doch wie ein demoralisierter Verlierer wirkt. In The Winners (2005) huschen Autos, nur als Silhouetten wahrnehmbar, durch die schwarze Nacht, über ihnen Wellen schaurig weißen Nebels. Die ganze Szenerie erinnert an ein Kriegsgebiet oder vielleicht einen apokalyptischen Traum. Beide Bilder – und das zieht sich durch das gesamte Werk von Baran – nehmen vermeintlich „geschmacklose“ amerikanische Traditionen zum Ausgangspunkt und wenden sie in eine tief gehende Meditation über die Zyklen von Leben und Sterben, Sehnsüchten und Enttäuschungen, Lebensfreude und Verlust.

Formal überzeugend und visuell fesselnd sind Tracey Barans Fotografien zugleich mit dem gebräuchlichen und zugänglichen Genre der Alltagsfotografie verknüpft – den Schnappschüssen von Familie und Freunden oder auf Reisen. Das Ungewöhnliche dieser Fotografien liegt in der Verwandlung von ansonsten banalen Umständen in verblüffende, außergewöhnliche Momente, die von einer komplexen – liebenswerten, aber auch erschütternden – Menschlichkeit durchdrungen sind. Gewollt alberne Halloween-Fotos von Barans Mutter im traditionellen Gewand der Ureinwohner oder von ihr selbst als schwangere, tote Braut sind zugleich eindringlich und abstossend, während das Porträt einer Freundin, zum Teil verdeckt vom farbigen Sprühregen eines Geisirs im Yellowstone National Park, geradezu magisch wirkt.

 


Ausstellungen | Bibliografie


Ausstellungen:
2007 „Note To Self“, Arratia Beer, Berlin
2006 „See Trough Me“, Leslie Tonkonow Artworks + Projects, New York
2005/06 „Speaking with Hands: Photography from the Buhl Collection“, Museum Folkwang, Essen; The State Russian Museum, St. Petersburg; Guggenheim Museum, Bilbao/New York

Bibliografie:
Rebecca Robertson, „Tracey Baran“, in: ARTnews, Sommer 2006
Speaking with Hands: Photographs from the Buhl Collection, Texte von Jennifer Blessing, Kirsten A. Hoving und Ralph Rugoff, Ausst.-Kat. Guggenheim Museum, New York 2004
Barry Schwabsky, „Tracey Barran: The Museum of Contemporary Photography, Chicaco“, in: Art on Paper, März 2003