Joe Amrhein

Janine Antoni

Joe Amrhein

Joe Amrhein, Detailfülle, 2008, Courtesy the artist and Dogenhaus Galerie, Leipzig



Joe Amrhein


*1953 in Sacramento/CA, lebt und arbeitet in Brooklyn/NY

Galerien:
Dogenhaus Galerie, Leipzig
Durham Press, Durham/PA
Brian Gross Fine Art, San Francisco/CA




Joe Amrhein hat eine einzigartige Position in der New Yorker Kunstszene inne. Er ist der Gründer der Galerie Pierogi in Williamsburg, Brooklyn, die 1994 als experimentelle und von Künstlern betriebene Galerie begann und seitdem zu einer beliebten und enorm einflussreichen Örtlichkeit mit breiter internationaler Beachtung geworden ist. Zugleich ist Amrhein auch ein ausgebildeter Maler mit einer erfolgreichen Laufbahn; er ist also nicht nur ein visionärer Galerist, sondern auch ein visionärer Künstler, bekannt für eigenwillige und verblüffende Kombinationen von Malerei, Schilderproduktion und gefundenen Texten. Während viele respektierte Galeristen ihre Laufbahn als Künstler begannen, haben nur sehr wenige ihre künstlerische Arbeit als treibende Kraft über die Jahre aufrechtzuerhalten vermocht.

Amrheins eigener Hintergrund als erfahrener kommerzieller Schildermaler in Kalifornien inspiriert seine Arbeit. Er sammelt Fragmente von gefundenen Texten, beispielsweise im Ausdruck verstiegene Sätze aus publizierten Kunstbesprechungen, Essays und Artikeln, und malt sie von Hand auf verschiedene Materialien (meist Polyesterfolie) und arrangiert diese mehrlagigen Elemente in überlappenden Ebenen auf die Wand. Mit Willing Suspension of Disbelief (Akzeptanz des Möglichkeitssinns, 2009) – einer bekannten Zeile des britischen Dichters Samuel Taylor Coleridge, mit der dieser das Konzept von Fiktion und Kunst 1817 auf den Punkt brachte, und die Amrhein in mehrere Sprachen übersetzte – ist ein polyglottes Werk entstanden, das viel damit zu tun hat, wie wir Kunst sehen und beschreiben. Darüber hinaus stellt es die Verbindung her zu Amrheins Doppelrolle als Künstler und Galerist. Man kann Amrheins Arbeiten durchaus lesen – was jedoch nur teilweise gelingt, weil die Wörter und Sätze auf eine Weise verbunden und strukturiert werden, das sie in ihrer Gesamtheit, mit ihren verschiedenen Formen, pulsierenden Farben und Schriftsatzvariationen, eine enorme visuelle Kraft entfalten. Amrheins Textfragmente und Formulierungen (oder auch Zahlen, Währungszeichen und Ortsnamen) legen den Bezug auf die allgegenwärtige Informationsflut heutzutage nahe, lassen aber auch an Zirkusposter aus dem 19. Jahrhundert, auf Beschilderungen in den Vergnügungsparks Mitte des 20. Jahrhunderts und an verwitterte Werbung auf Gebäudefassaden denken.



 


Ausstellungen | Bibliografie


Ausstellungen:
2008 „Perpetual If (Information Friction)“, Städtische Galerie Wolfsburg, Wolfsburg (mit Ati Maier)
2007/08 Red Dot Contemporary, West Palm Beach/FL
2007 „Bare Words“, Lautom Contemporary, Oslo

Bibliografie:
Perpetual If (Information Friction), mit einem Gespräch zwischen Joe Amrhein und Ati Maier, Ausst.-Kat. Städtische Galerie Wolfsburg, Wolfsburg 2008
Hans-Adelbert von Karweik, „Worte zerbersten in Scherben“, in: Wolfsburg Kultur, 12. September 2008
Stephen Maine, „Letter by Letter, Word by Word“, in: The New York Sun, 21. Juni 2007
Christopher Miles, „Finding a Good Use for Art-speak“, in: Los Angeles Times, 7. Oktober 2005